Delegation Poker moderieren: dein Ablauf für einen 60-Minuten-Workshop
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Du hast Delegation Poker schon einmal gespielt oder zumindest die sieben Delegationsstufen erklärt bekommen. Jetzt sollst du es selbst moderieren: mit deinem Team, mit einer Führungsrunde oder in einem Training. Die Spielregeln sind schnell erklärt. Schwieriger ist die Moderation: Wie wählst du die Entscheidungen aus? Wie gehst du damit um, wenn zwei Personen völlig unterschiedliche Karten zeigen? Und wie sorgst du dafür, dass am Ende mehr herauskommt als ein netter Austausch?
In diesem Artikel findest du einen Ablauf für einen Workshop von 60 Minuten, den du so übernehmen oder an dein Team anpassen kannst. Dazu gibt es Moderationsfragen, eine Übersicht typischer Fallen und eine Checkliste für die Vorbereitung.
Was du vorab klären solltest
Ein guter Workshop beginnt vor dem Termin. Drei Punkte entscheiden darüber, ob die Runde Wirkung entfaltet.
Ziel: Was soll danach anders sein?
Delegation Poker ist kein Selbstzweck. Formuliere vorab, was das Team nach 60 Minuten haben soll. Mögliche Ziele sind zum Beispiel: eine gemeinsame Sprache für Entscheidungsbefugnisse, ein erstes Delegation Board mit vier bis fünf Entscheidungen oder eine Klärung bei einem konkreten Konflikt, etwa wer über Prioritäten entscheidet.
Teilnehmende und Gruppengröße
Die Methode funktioniert am besten in überschaubaren Gruppen. Ein Kartenset enthält Karten für bis zu sieben Personen. Ist dein Team größer, bildest du Kleingruppen oder nutzt mehrere Kartensets. Klär außerdem, wer teilnimmt: Wenn die Führungskraft dabei ist, spielt sie mit und hat dieselbe Stimme wie alle anderen. Sonst entsteht ein Gespräch über Erwartungen, bei dem eine Seite fehlt.
Entscheidungen vorbereiten
Sammle vorab fünf bis acht konkrete Entscheidungen aus dem Arbeitsalltag. Gut geeignet sind Situationen, die wirklich vorkommen und bei denen Erwartungen sich unterscheiden können: Wer wählt ein neues Tool aus? Wer legt die Reihenfolge von Aufgaben fest? Wer darf Kund:innen eine Ausnahme zusagen? Vermeide sehr abstrakte Themen wie „Strategie“ oder „Kultur“. Je konkreter die Entscheidung, desto klarer die Diskussion. Weitere Beispiele findest du in unseren 20 Spielsituationen aus dem Führungsalltag.
Der 60-Minuten-Ablauf im Überblick
| Zeit | Phase | Inhalt |
|---|---|---|
| 0–10 Min. | Ankommen & Rahmen | Ziel nennen, Stufen kurz erklären, Spielregeln klären |
| 10–20 Min. | Probierrunde | Eine einfache Entscheidung gemeinsam durchspielen |
| 20–45 Min. | Hauptrunden | Drei bis vier echte Entscheidungen mit Karten klären |
| 45–55 Min. | Delegation Board | Ergebnisse sichtbar festhalten |
| 55–60 Min. | Abschluss | Nächste Schritte, Überprüfungstermin, kurzes Feedback |
Die Zeiten sind ein Vorschlag. Wenn eine Diskussion wertvoll ist, gib ihr lieber mehr Raum und streiche eine Hauptrunde, als alles durchzutakten.
Phase für Phase: So moderierst du
0–10 Minuten: Ankommen und Rahmen setzen
Nenne zu Beginn das Ziel des Workshops in ein bis zwei Sätzen. Erkläre dann die sieben Stufen in kurzer Form. Du musst nicht jede Nuance erläutern. Wichtig ist das Grundverständnis: Es geht nicht um „gute“ oder „schlechte“ Stufen, sondern darum, welche Stufe für eine konkrete Entscheidung passt. Eine ausführliche Erklärung der Stufen findest du in unserem Beitrag Die 7 Delegationsstufen.
Gib die Karten aus: Jede Person erhält einen Satz mit den sieben Stufen. Vereinbare zwei Regeln: Karten werden verdeckt gelegt und erst gleichzeitig aufgedeckt. Und: Es gibt kein Richtig oder Falsch, nur unterschiedliche Erwartungen.
10–20 Minuten: Probierrunde
Starte mit einer Entscheidung mit geringem Risiko, zum Beispiel: „Wer entscheidet, wo wir das nächste Teamevent machen?“ So lernt die Gruppe den Ablauf kennen, ohne dass sofort heikle Themen auf dem Tisch liegen.
Der Ablauf einer Runde ist immer gleich:
- Du nennst die Entscheidung und klärst Rückfragen zum Kontext.
- Alle wählen verdeckt eine Karte.
- Alle decken gleichzeitig auf.
- Die Personen mit der höchsten und der niedrigsten Karte begründen ihre Wahl.
- Die Gruppe spricht, bis sie sich auf eine Stufe einigt oder offene Fragen benennt.
20–45 Minuten: Hauptrunden
Jetzt kommen die echten Entscheidungen. Plane pro Runde etwa sechs bis acht Minuten ein. Zeige die Entscheidung gut sichtbar, zum Beispiel auf einer Karte oder einem Klebezettel, damit alle über dasselbe sprechen.
Deine wichtigste Aufgabe in dieser Phase: Die Diskussion auf die Differenz lenken. Wenn alle dieselbe Karte zeigen, lohnt sich meist nur eine kurze Bestätigung und ein Blick auf die Grenzen. Zeigen die Karten dagegen weit auseinander, ist genau dort der Gesprächsbedarf. Frage dann nicht „Wer hat recht?“, sondern „Was brauchst du, um dieser Stufe zuzustimmen?“.
45–55 Minuten: Ergebnisse sichtbar machen
Übertragt die vereinbarten Stufen in ein Delegation Board: Entscheidungen in den Zeilen, Stufen 1 bis 7 in den Spalten, die vereinbarte Stufe als Markierung. So bleibt das Ergebnis nach dem Workshop im Blick. Eine Vorlage mit fünf konkreten Teamentscheidungen findest du in unserem Beitrag zur Delegation-Board-Vorlage.
Halte zu jeder Entscheidung zusätzlich in einem Satz fest, welche Grenzen gelten, zum Beispiel ein Budgetrahmen oder ein Zeitpunkt, bis zu dem informiert werden muss. Eine hohe Stufe ohne Rahmen führt später schnell zu Unsicherheit.
55–60 Minuten: Abschluss
Beende die Runde mit drei Dingen: Wer fotografiert oder dokumentiert das Board? Wann prüft ihr, ob die Vereinbarungen im Alltag funktionieren (zum Beispiel in der nächsten Retrospektive)? Und was nimmt jede Person mit? Eine kurze Blitzrunde mit einem Satz pro Person reicht.
Moderationsfragen, die Gespräche öffnen
Gute Fragen machen den Unterschied zwischen einer Kartenrunde und einem echten Klärungsgespräch. Diese Fragen haben sich für die Moderation bewährt:
- Bei großen Unterschieden: „Was hast du dir bei dieser Stufe vorgestellt?“
- Bei niedrigen Karten der Führungskraft: „Welche Sorge steckt hinter dieser Stufe?“
- Bei hohen Karten des Teams: „Welche Unterstützung oder Informationen bräuchtest du dafür?“
- Bei Einigkeit: „Gilt das auch, wenn es mal schiefgeht?“
- Zum Abschluss einer Runde: „Woran merken wir, dass diese Stufe nicht mehr passt?“
Typische Fallen und was du dagegen tun kannst
| Falle | Woran du sie erkennst | Was hilft |
|---|---|---|
| Die höchste Stufe gilt als Ziel | Alle drängen zu Stufe 7 | Betone: Die passende Stufe hängt von Risiko, Erfahrung und Kontext ab |
| Hierarchie beeinflusst die Karten | Teilnehmende schauen zuerst auf die Chefin oder den Chef | Verdeckt legen, gleichzeitig aufdecken, Führungskraft zeigt nicht zuerst |
| Abstrakte Themen | Die Diskussion bleibt allgemein | Entscheidung auf ein konkretes Beispiel herunterbrechen |
| Zu viele Entscheidungen | Letzte Runden werden hektisch | Lieber drei gründliche Runden als acht oberflächliche |
| Kein Nachgang | Board verschwindet nach dem Workshop | Überprüfungstermin im Kalender festlegen |
Variationen für unterschiedliche Situationen
Kürzere Version in 30 Minuten
Reduziere die Probierrunde auf fünf Minuten und spiele nur zwei Hauptrunden. Verzichte auf das ausführliche Board und halte die Ergebnisse stattdessen auf einem Flipchart fest.
Mit neuem oder unerfahrenem Team
Beginne mit Entscheidungen, bei denen ohnehin Klarheit besteht, und arbeite dich zu strittigeren Themen vor. Bei einem neuen Team lohnt es sich, anfangs eher im mittleren Bereich der Stufen zu bleiben und den Spielraum schrittweise zu erweitern.
Im Führungsteam oder zwischen Bereichen
Wenn mehrere Bereiche beteiligt sind, ist eine neutrale Moderation hilfreich, etwa eine Person außerhalb des Teams. Sonst wird es schwer, gleichzeitig zu moderieren und mitzuspielen.
Checkliste für deine Vorbereitung
- Ziel des Workshops in ein bis zwei Sätzen formuliert
- Fünf bis acht konkrete Entscheidungen gesammelt und sortiert (von einfach bis herausfordernd)
- Kartensets für alle Teilnehmenden bereit (ein Set deckt bis zu sieben Personen ab)
- Delegation Board vorbereitet (Flipchart, Whiteboard oder Papier)
- Klebezettel und Stifte vorhanden
- Zeitplan mit Puffer festgelegt
- Termin für die Überprüfung der Vereinbarungen eingeplant
Womit du starten kannst
Du brauchst für diesen Ablauf nicht viel: einen Raum, ein paar Klebezettel und die Karten. Unser Delegation-Poker-Kartenset enthält 7 Kartensätze mit je den 7 Delegationsstufen, also 49 Karten für bis zu sieben Personen, deutschsprachige Stufenbezeichnungen, eine Anleitung für den Einstieg und eine Faltschachtel. Die Methode selbst basiert auf Management 3.0 von Jurgen Appelo.
Fazit
Ein guter Delegation-Poker-Workshop braucht keine ausgefeilte Dramaturgie. Er braucht konkrete Entscheidungen, einen klaren Ablauf und eine Moderation, die den Blick auf die Unterschiede in den Erwartungen lenkt. Wenn am Ende ein sichtbares Board und ein Termin zur Überprüfung stehen, hat das Team mehr gewonnen als in vielen Stunden unausgesprochener Annahmen. Probier es mit drei Entscheidungen aus deinem Alltag aus und passe den Ablauf danach an dein Team an.
